EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil "wiki"

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basteljero
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EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil "wiki"

Beitrag von basteljero » 20 Nov 2019, 10:16

Moin,
Um die Ablesegenauigkeit zu erhöhen, hat man bei den alten KW-Empfängern verschiedene Wege beschritten,
so zum Beispiel "Meterlange", abrollbare Film-Folien und Lupen zur genauesten Ablesung.
Eine aufwändige "Mikrofilm-Ablese-Mechanik" hat der WW-II-Empfänger von Telefunken, der legendäre E52 "Köln".
Die verbliebenen Geräte konnten aber unmöglich Dauerlösung für die neue Bundeswehr sein.
Die "Messlatte" war mit dem "E52" aber sehr hoch gesteckt, für ein Nachfolge-Modell musste R&S schon was bieten.
Und hat für den EK 07 diesen Weg gewählt:
Ein "Steueroszillator" bestimmt zusammen mit den Oberwellen eines(!) Quarzes die Genauigkeit des Empfängers, der
eigentliche "Hauptoszillator" wird nachgesteuert (Frequenzabweichungen des Hauptoszillators werden korrigiert).
Der Trick dabei ist, dass der Steueroszillator absolut linear ist und eine Feinskala hat, die genau 100 kHz umfasst.
Die hat einen Umfang von ungefähr 30 cm und dreht sich zum Beispiel im Bereich VI zwischen 9,10 MHz und 12,10 Mhz
genau 30x.
Das macht 9 Meter in einem Bereich, würde also umgerechnet einer insgesamt 9 m x 9 KW-Bereiche = 81 m langen Skala entsprechen!
By,by, Mikrofilm... Die Zukunft gehört den rein elektronischen Lösungen. Wenn auch (noch) mit Röhren. :idea:
Der Vergleich von Steueroszillator-Frequenz und einer dem Hauptoszillator abgeleiteten Brückenfrequenz 3,4 bis 6,4 MHz
(Mischung von Hauptoszillator-Frequenz mit einer entsprechenden Quarz-Oberwelle) geschieht im "Steuerteil"
Steuerteil von oben Rö defekt.jpg
Steuerteil von oben Rö defekt.jpg (149.88 KiB) 1272 mal betrachtet
Das ist genial am EK (finde ich) und gleichzeitig seine "Achilles-Ferse" :
Alle (höheren) Kurzwellen-Bereiche stehen still, wenn das Steuerteil nicht so will ! :?

Das Steuerteil kann zur Fehlersuche über Adapter-Leitungen getrennt vom Empfänger betrieben werden.

Die Idee, zwei Frequenzen miteinander zu vergleichen und eine der beiden nachzusteuern, findet sich bereits in einem Patent[1]
des Dr. Lothar Rohde von 1940: "Piezoelektrisch gesteuertes Zeitnormal"

Quellen
[1] https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/d ... einsteiger
Suchbegriff: "Lothar Rohde"
Jens R.
Zuletzt geändert von basteljero am 01 Dez 2019, 21:40, insgesamt 5-mal geändert.

basteljero
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Re: EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil

Beitrag von basteljero » 20 Nov 2019, 10:17

-Platzhalter-

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Re: EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil

Beitrag von basteljero » 21 Nov 2019, 21:33

Steuerteil, Rö 42: 3 Mhz-Quarzoszillator

Wenn man den Steuerteil als "Herz und Seele" des EK07 betrachtet, dann ist sein Oszillator-Teil der "Herzmuskel".
Sein 3 Mhz-Signal dient dem 2. ZF-Mischer (Rö 41) als Oszillatorfrequenz. Die Verzerrer-Diode Gl4 erzeugt daraus Oberwellen.
Ganz rechts:
21Mhz-Signal, in Bereich V verwendet. Dieser stellt einen Sonderfall dar, weil hier eine 2-malige Umwandlung erfolgt.
Das Signal wird dann auf die Mischstufe 4 gegeben (Tr2).
Hier wird die Vergleichsfrequenz ("Brückenfrequenz") von 3,4-6,4 Mhz gewonnen, die auf Verstärkerröhre Rö44 gegeben wird.
Alle Aufnahmen wurden im Bereich VI gemacht.
3Mhz-Quarz_-Verzerrer-21 MHz-Signal.jpg
3Mhz-Quarz_-Verzerrer-21 MHz-Signal.jpg (69.43 KiB) 1184 mal betrachtet
12mV HF sind angegeben, kann ich derzeit leider nicht darstellen.

Jens R.
Zuletzt geändert von basteljero am 26 Nov 2019, 20:55, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil

Beitrag von basteljero » 21 Nov 2019, 22:13

Platzhalter Rö 43-46

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Re: EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil

Beitrag von basteljero » 21 Nov 2019, 22:14

Platzhalter Rö 47+48

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Re: EK07D2, Baugruppen: 4_Steuerteil

Beitrag von basteljero » 23 Nov 2019, 13:44

Auch ein Fehler kann lehrreich sein:
Im Bereich "VI" fällt der Empfänger am Bereichsanfang (etwa 9,5 Mhz) aus dem Haltebereich und somit aus der Synchronisation.
Kurbelt man wieder höher, wird wieder gefangen. 10,5 Mhz sind bei diesem Fehler die Fangbereichs-Grenze.
Gemessen an C637 (Rö46) sieht das dann so aus:
10,6Mhz__Nicht-Synchron und Synchron_5V-DIV_9DIV=3Mhz.JPG
10,6Mhz__Nicht-Synchron und Synchron_5V-DIV_9DIV=3Mhz.JPG (31.73 KiB) 1184 mal betrachtet
An R665 und C667 kann man außerdem die (Gleich)-Spannung messen, die von der Phasenbrücke geliefert wird (Tr5,GL8, Gl9 und so weiter).
Sie beträgt bei diesem Fehler etwa 10,8V bis 11,2V oberhalb 10 Mhz. Bei 11,7V (am unteren Bereichsende) fällt der Empfänger aus der
Synchronisation und die Spannnung sinkt schlagartig auf etwa 7V. Gleichzeitig ist das typische "Wobbel-Netzbrumm"-Geräusch zu hören.
Dieses zeigt an, das die Röhre 48 korrekt die 50-Hz Suchspannung liefert und Rö 47 den Hauptoszillator wobbelt.
Und nicht gefangen wird. :?
An den Steuergittern von Rö48 ergaben sich folgende Bilder:
(Bilder rechte Seite: Grenze des Fangbereiches, nach einigen Sekunden fängt der Empfänger "von selbst".
Danach bleibt er stabil in der Synchronisation, weil der Haltebereich größer als der Fangbereich ist.)
Rö48_Pkt_g1-R277__2V-Div_li--2ms-Div_re--0,1ms-Div_Trigg_50Hz_YNull_ca-8V.jpg
Rö48_Pkt_g1-R277__2V-Div_li--2ms-Div_re--0,1ms-Div_Trigg_50Hz_YNull_ca-8V.jpg (50.86 KiB) 1184 mal betrachtet
HF an Rö 48! Deshalb steht im Handbuch also:
"Die Brücke gibt dann keine Wechselspannung mehr ab, so dass die Fanghilfestufen sofort gesperrt werden"!
An C 658 gemessen (auch ohne Ausbau Steuerteil möglich):
Rö48_Pkt_GL12-C658__200mV-Div_2ms-Div_Trigg50Hz_Null_-17V.jpg
Rö48_Pkt_GL12-C658__200mV-Div_2ms-Div_Trigg50Hz_Null_-17V.jpg (35.29 KiB) 1200 mal betrachtet
Geliefert wird die Spannung von Rö47 und den Verdoppler-Dioden Gl10 und Gl11.Zwischen beiden wurde gemessen (C652)
Der Oszillator-Spulenkern wurde ständig verstimmt, um die Signalform in Abhängigkeit von der Verstimmung zeigen zu können:
Rö47_Pkt-GL10_GL11__YNull=0V_5V-Div_2ms-Div_Trigg50Hz.jpg
Rö47_Pkt-GL10_GL11__YNull=0V_5V-Div_2ms-Div_Trigg50Hz.jpg (113.11 KiB) 1188 mal betrachtet
Bei starker Abweichung der Oszillator-Frequenz kann man die 50Hz-Suchspannung erkennen.
(die Heizspannung diente wie bei den vorigen Bildern zur Triggerung {Kanal1 des Oszilloskopes})
Bei Annäherung an die Fanggrenze bildet sich eine "Fangkerbe" aus, wenn man das so bezeichnen kann.
(Jeweils Bildmitte/ca. 9 ms bis 12 ms).

Jens R.

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