Versuch LCD-Reparatur

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ProgBernie
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Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von ProgBernie »

Moin,

ich will euch meine Bastelversuche nicht vorenthalten.
Gegeben ist ein ältliches Monochrom FSTN-LCD von Sharp, LM64P70, 8.5" 640x480 monochrom. Schwer zu bekommen. Angesteuert von einer speziellen VGA-Karte. Das Display hat einen 14poligen Anschluß und erhält außer Vcc=5V, Vss=0V und Vee=-16V noch die Signale Frameclock, Lineclock und Pixelclock sowie die Pixeldaten in 2*4bit parallel (je 4 bit upper und lower).

Symptom: Display zeigt beim Einschalten rasch verblassende Streifen die nach Initialisierung der VGA sich ändern und statisch werden.
Auffällig: fischiger Geruch im Betrieb -> Elkopest :roll:
Vermutung: Leiterbahnunterbrechung

Autofokus sei Dank daß mein Garten scharf ist...
LCD_defekt.jpg
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Zunächst Ausbau des Panels.
LCD_Panel.jpg
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8 SMD-Elkos zeigten Auflösungserscheinungen. Diese sind für die Segmentspannungen zuständig. Alle entfernt und zunächst durch bedrahtete ersetzt. Kein Erfolg...
Aber ein Hinweis: Wenn ich das Panel in der Hand halte und die Folienleiter für die obere Hälfte der Spaltentreiber berühre, flimmert das Display etwas. Das deutet auf ein fehlendes Taktsignal für die Ansteuerung hin.

Dann frisch nach dem Motto: "Was kaputt kann man kaum verschlimmern" das Panel auseinandergenommen. Das Datenblatt rät dringend davon ab.
LCD_Disassembly.jpg
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Links sind die Zeilentreiber auf den Flexboards zu sehen. Die Spaltentreiber sind auf der Rückseite auf Flexboards. Da diese um den Kunststoffträger herumgehen, bekommt man das Sandwich nicht weiter auseinander, obwohl ich die FPC von der Platine der Zeilentreiber schon abgelötet habe. Damit ist die Vorderseite der Zeilentreiberplatine schlecht zugängig, sie kann nur durch biegen der Flexboards erreicht werden.

Von der Vorderseite habe ich zusätzlich 6 ziemlich angegangene Kerkos abgelötet und die Pads gesäubert. Die ganze Platine habe ich denn mit der Zahnbürste behandelt. Es sind 2 ICs verbaut: Ein LA5316, der die Segmentspannungen bereitstellt, und ein MN50003, ein CMOS Gate Array. Dort sehen die Anschlüsse besser aus, sodaß ich diese lediglich mit frischem Flußmittel nachgelötet habe. Die Kerkos habe ich ersetzt. Dann habe ich die Leitungen von der FPC-Buchse durchgeklingelt. Alle drei Taktsignale verschwanden , die restlichen Anschlüsse fanden sich an den Spaltentreibern und den ICs wieder. Also habe ich die FPC-Buchse abgelötet. Direkt am Rand wurde ich fündig, hier war die Lötmaske schwarz und die Leiterbahnen unterbrochen.
LCD_clocklines.jpg
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Mit dem Glasfaserradierer habe ich die Leiterbahnen freigelegt. Die Leiterbahnen habe ich dann mit dünnem verzinntem Litzendraht geflickt. Diese Stromschienen sind wuchtige 0.2mm dick:
LCD_clocklines_repaired.jpg
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Danach zusammenbau und Test. Immerhin etwas Erfolg: Es zeigt sich ein Bild, es wird aber durch 5 breite, nichtangesteuerte Streifen getrübt. Einer der beiden dünnen Streifen ist auf mangelhaften Kontakt des Flexboards am Glasrand zurückzuführen, er lässt sich durch leichten Druck beseitigen. Die 5 breiten dunklen Streifen sind leider statisch.
LCD_somehow_working.jpg
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5 Streifen korrelieren mit den 5 Zeilentreibern. Komischerweise sind die mittig in jedem Bereich und im mittleren Zeilentreiber muß sich müssen sich ja die beiden Displayhälften treffen. Da das Display in 2 Hälften angesteuert wird (640*240 jeweils oben und unten) muß das noch irgendwie im Gatearray verwurstet werden. Es werden ja 240 Zeilentakte ausgegeben und die Daten jeweils in beiden Displayhälften parallel geschrieben. Wenn ich das Display in 2 Hälften teile komme ich momentan nicht auf ein Muster, was da schief läuft. Momentan bin ich gerade etwas lustlos daran zu basteln.

Nächster Versuch wird sein: Ich habe noch ein Epson ECM-A9112 mit fast identischen Daten aber mechanisch komplett anderem Anschluß und sogar der Anschlußbelegung. Für ein Epson-EG9007 (ebenfalls 640x480 FSTN-LCD) fehlt mir die Anschlußbelegung. Da muß ich mir mal ein Flachbandkabel mit Pfostenbuchste zum testen anlöten. Kabel und Pfostenbuchse fehlen mir noch, aber Digikey hat mir gerade Werbung eingeworfen...
Gruß Bernd
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ProgBernie
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von ProgBernie »

Die Reparaturversuche habe ich erstmal drangegeben, da ich für wenig Geld einen 8,4" TFT-Monitor mit analogem VGA-Anschluß erstanden habe. Wincor BA80, ein Zusatz-TFT für eine Kasse. Sonst ist der Markt für derartige Größen *sehr* dünn, aber dieses passte derart gut (hoffte ich), daß ich das sofort geschossen habe.

Erstmal nackig machen und Maß nehmen. Das Panel ist Außenmaß 190x150mm mit 5mm Stärke, dazu kommt ein 2mm Glas. Da das Glas bedampft ist, kann es ggf. EMV-technisch sinnvoll sein es dran zu lassen. Also 7mm. Die Ekeltronik ist hinten im Blechkäfig mit Metallgewebeklebeband befestigt, das hält aber soweit. Im Originalgehäuse ist das alles formschlüssig eingesetzt und alles wird dann zusammen am Blechkäfig befestigt (VESA-Norm).

Dann mit den Abmessungen des Original-Panels 255x158mm einen Adapter-Rahmen konstruiert und, wegen der beschränkten Größe des derzeitigen 3D-Druckers, eine Halteklammern daraus geschnitten. Sobald der Bau meines dritten Druckers beendet ist, kann ich auch größere Teile fertigen.
TFT_mount_sliced.JPG
TFT_mount_sliced.JPG (205.55 KiB) 291 mal betrachtet
Erstmal einen gedruckt und Maß genommen: passt soweit, also noch einen zweiten gedruckt. Einbau mit dem neuen TFT an alter Stelle:
TFT_mount_1.jpg
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Das VGA-Signal ist auf einer 8poligen Stiftleiste verfügbar, also ein Flachbandkabel mit der passenden Kabelbuchse verpresst und an die andere Seite einen VGA-Stecker angelötet. Hatte leider nur einen Platinenstecker. Die Schalter des Monitors habe ich einfach mit Klebeband hinten bfestigt, die braucht man nach der einmaligen Einstellung ohnehin nie. Ansicht von unten, das passt saugend da rein:
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Anschlußkabel mit Hohlstecker angefertigt und an 12V intern angelötet, Deckel zu und los:
TFT_boot.jpg
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Sieht doch gut aus! Und später wird es sogar bunt:
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Statt des Drehrostes kommt die Software noch auf Flashspeicher, damit sinkt das Betriebsgeräusch weiter.
Gruß Bernd
Martin
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von Martin »

klasse.
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Matt
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von Matt »

Sehr schön.
Wincor BA80 habe ich auch hier, der frisst quasi viele krumme Timing ohne Problem. (Das war Grund für Kauf von Wincor BA80)
Zu Info, dieser Monitor hat native Auflösung 800x600, trotzdem interpoliert der Wincor Monitor VGA Auflösung ausgezeichnet.


Dann kannst du Gotek einbauen :-D

Grüss
Matt
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ProgBernie
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von ProgBernie »

Ja, den Monitor habe ich gebraucht für €30,- gesehen und zugeschlagen. Selbst China-TFT kommt da nicht an den Preis, zumal heute alles breit ist. 800x600 ist bekannt, hatte zuvor das Handbuch heruntergeladen (Wincor-Schlaumeier haben nicht erzählt wie herum 12V am Hohlstecker sind, nur daß man passendes Netzteil oder Kabel bei Wincor bestellen kann :lol:).

Gotek ist eine Überlegung, aber 3,5" Schwabbelscheibe ist natürlich retromässig Kult und soviel Datenaustausch brauche ich da nicht, Messungen gehen ja über GPIB (muß ich noch testen). 3,5"-Laufwerke gibt es noch saumässig viele. Gotek habe ich hauptsächlich als Ersatz für 5,25" verwendet, z.B. beim Gould LA, der zusätzlich noch ein total schräges Diskettenformat hat.
Gruß Bernd
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Matt
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von Matt »

Ich habe da einfach gelöst: aussen ist Minus und reinstecken, schau mal :lol: (aussen minus ist schon lange Standard und habe für BA80 nur 10€ bezahlt)

Das Ding hing gerade an XT-Clone und Software erzählt mir: Habe 286 unter Haube. Es stimmt, weil ich gerade 286-Beschleuniger für XT getestet habe.


Ansonst sieht es echt mit Prema "in Farbe " sehr schick aus.
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Obelix2007
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von Obelix2007 »

Hallo Bernd, Mathias und Martin,

... habe heute auch mein PREMA DMM8047 bekommen. Der Bildschirm ist zum Glück noch OK.

Hat jemand ev. eine Quelle für den Service Plan? Es müsste sicher mal kalibriert werden.

Gruß Horst
Gruß Horst
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ProgBernie
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Re: Versuch LCD-Reparatur

Beitrag von ProgBernie »

Außer MC-Board mit 6502 ist Scanner, Preamp vermutlich weitestgehend identisch zum 6047. Integrator ist auf Grund geänderter Ansteuerung ähnlich zum 6047.
Gruß Bernd
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