Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

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chronos42
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Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

Beitrag von chronos42 » 27 Sep 2020, 11:13

Hi,
seit einigen Jahren besitze ich einen Tek 2014, ein 4-Kanal 100MHz DSO mit LCD-Farbdisplay. Es ist aus der ersten Generation, also noch ohne RTC und USB, dafür mit GPIB, paralleler und serieller Schnittstelle. Das Gerät habe ich sehr günstig bekommen, defekt war die Displayeinheit. Passende originale Ersatzdisplays sind erstaunlich teuer und deswegen uninteressant, sie wären weit teuerer gewesen als das, was ich für das gesamte Gerät bezahlt habe. In China konnte ich für wenig Geld ein passendes Display auftreiben, das funktioniert auch, ist allerdings nur B-Ware. An den Rändern ist es deutlich dunkler. Das alles stört aber überhaupt nicht bei einem Oszilloskop, gegen ein modernes TFT Display sieht auch das original LCD Display furchtbar aus, kein Vergleich zu modernen DSOs. Trotzdem hat mir das Gerät viele Jahre gute Dienst geleistet, es ist genau das Gerät, welches ich bei Repararturen verwende. 100MHz genügen meistens, ansonsten hat es alle wesentlichen Vorteile eines DSOs, ist einfach zu bedienen wie ein Analogscope und liefert mit 1GS/s eine ausreichend hohe Samplingrate. Das "große" TDS 784D kommt nur zum Einsatz, wenn das 2014 nicht mehr ausreicht.

Vor ein paar Tagen hat mein TDS 2014 aber beschlossen zu sterben. Einfach so, ohne Vorankündigung. Nach dem Einschalten hing es in einer Bootloop fest. Man kann bei dem Gerät drei Bootstufen beobachten, erkennbar an der Helligkeit des Displays.
Stufe 1: Dunkel, Betriebssystem wird gestartet.
Stufe 2: Heller, CPU Peripherie wie Grafikcontroller etc. wurden initialisiert.
Stufe 3: Noch heller, kurz darauf die erste Anzeige auf dem Display.

Während der letzten Stufe wird die restliche Hardware angesprochen und der Selbsttest durchgeführt.
Zur Anzeige einer Meldung kam das Gerät aber nicht mehr, sondern startete wieder neu. Immer wieder dieselbe Sequenz.
Einmal hat er es noch geschafft normal zu starten, ist aber nach kurzer Zeit wieder in die Bootloop zurückgefallen

Jau, das war es dann, da es kein brauchbares Servicemanual zu diesem Gerät gibt ist man hier ohne jede Chance. Zudem besteht das Gerät fast ausschließlich aus einigen ASICS im BGA Gehäuse, hier gibt es nichts zu reparieren.

Ok, da klar war dass es hier nichts zu reparieren gibt musste ein neues Gerät der 100MHz Klasse her. Für den Preis eines Mobiltelefons der oberen Mittelklasse bekommt man mittlerweile 100MHz Geräte, die dem 2014 sehr, sehr weit in jeder Hinsicht überlegen sind und von denen man vor einigen Jahren nur träumen konnte. Meine Wahl fiel auf das Siglent SDS1104-XE als neues Scope für den Reparaturplatz.

Dieser Entschluss stand bereits fest, die Bestellung war aber noch nicht ausgeführt.
Spaßeshalber habe ich mir das Tek nochmal ansehen wollen und es geöffnet. (Hätte ich das bloß gelassen...) Es gibt informationen dass die BGAs manchmal Kontaktprobleme haben oder die ASICS defekt sind und heiß werden. Ich wollte nur mal reinschauen, vielleicht versuchen ob man mit Wärme/Kältebehandlung ein BGA Kontaktproblem sichtbar machen kann und das Gerät vielleicht nochmal startet. Da er ja einmal gestartet war im Fehlerzustand gab es vielleicht auch einen interessanten Eintrag im Fehlerspeicher.
Ok, Gerät geöffnet, eingeschaltet und.....es funktionierte, als wäre nichts gewesen. :?:
Leiterplatte abgeklopft, nichts, funktioniert immer noch.
Mit Warmluft und Kältespray behandelt, keine Reaktion, funktioniert immer noch.
Calibration gestartet, läuft ohne Fehler durch.
Fehlerspeicher ist leer.
Gerät wieder zusammengebaut und an seinen Platz gestellt: Läuft seitdem problemlos.

Ich verstehe es nicht, wirklich nicht. Der Kauf des Siglent ist erst mal aufgeschoben, das wird erst gemacht, wenn der TDS2014 wieder damit anfängt. Beim nächsten mal fliegt er raus.
Etwas wie das Siglent Scope werde ich mir auf jeden Fall mal zulegen, nur dumm dass ich den TDS2014 jetzt nicht mal mehr verschenken kann. Da ich weder weiß was den Fehler verursacht hat und ob bzw. wann er wieder zurückkommt, kann man den niemanden mehr geben.
Und ein "Ich habe keine Ahnung von dem Gerät und verkaufe es deswegen vorsichtshalber als defekt, obwohl es funktionert" Typ bin ich nicht, somit entfällt auch eBay.

Es wäre so viel einfacher gewesen wenn einfach nur eines der ASICS heiß werden würde..... :x
Zuletzt geändert von chronos42 am 27 Sep 2020, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Matt
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Re: Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

Beitrag von Matt » 27 Sep 2020, 12:42

Das ist auch so einer Kisten, der gleich nach Überspannung besser Reparatur aufgeben werden sollen.

TDS3000er ist Rand an dieser Entscheidung, aufgeben bzw reparieren.
Denn einige wüsste schon, dass ich TDS3014 als Beifang bekommen habe und Ursache für Defekte ist fatal: Frontplatte-MCU und Hybride in Eingangsstufe ist tot. Wohl hatte TDS3014 dezente Überspannung abbekommt. Ich hatte in spätere Zeitraum eine TDS3012 aus Israel mit grenzwertige Preis importiert und Ausfallsgrund ist Anlaufswiderstand von 15V OEM Schaltnetzteil. Daher habe ich auf Schlachten von TDS3012 verzichtet und ihm repariert, zur 500Mhz gemoddet und mit Gewinn losgeworden.

Später fand ich beim Israelite weitere TDS3012 mit vollig zerkloppte Frontplatte, ich habe es gekauft, weil GPIB-Modul in ihm steckt. Allein Verkauf von dieser Modul deckt dieser Ausgabe komplett. Hybride austauschen ist wohl meine härteste Lotarbeit, dass ich schon teils aufgegeben und Lötstelle mit 1mm Bohrer freigebohrt habe (2x Masse-Layer an eine Stelle)

Aber das würde ich nicht nochmals machen, Hybride-Tausch bei TDS3000er.


@all Leute, falls ihr von TDS3000er Teile brauche (kein Front ( = kein Knopf), tote Frontplatte, Mainboard ohne hybride) schreibt mir einfach an.
GPIB Modul ist noch nicht verkauft. (Tektronix TDS3GM )


Fall mit sporaditische Fehler: man kann ruhig diese Manko erwähnen, dann wisse Käufer davon und du bist aus dem Schneider.

Grüss
Matt

chronos42
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Re: Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

Beitrag von chronos42 » 27 Sep 2020, 15:58

Hallo Matt,
wenn es wenigstens ein sporädischer Fehler wäre. Aber so wie er plötzlich aufgetaucht ist, ist er auch wieder verschwunden, ich schaffe es absolut nicht ihn zu reproduzieren, egal was ich mache. Selbst Temperaturschocks, welche solche Fehler mit hoher Zuverlässigkeit sichtbar machen, bringen keinerlei Ergebnis.
Aber eines ist sicher, sobald man so ein Gerät verkauft hat dauert es keine zwei Tage, bis er wieder auftritt.

Oscillar1
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Re: Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

Beitrag von Oscillar1 » 27 Sep 2020, 17:04

Hallo,

dies Modell ist lt. TEK Wiki von 2005 - also bis zu 15Jahre alt. Da können Fehler durchaus vorkommen. Beim Verkaufen stellst du es am besten im funktionierenden Zustand mit verschiedenen Signalen dar.
Schreibst rein so in etwa: "Älteres TDS2014 Oszi abzugeben, funktioniert wie im Bild mit verschiedenen Signalen einwandfrei. Allerdings ist es 15 Jahre alt, deshalb Verkauf als defekt!"
Somit bis du raus. Kannst auch schreiben das mal einen nicht mehr reproduzierbaren Aufhänger/Aussetzfehler hatte, das ist zwar am ehrlichsten, aber das ist eher schlecht.
Die meisten In Ebay verkaufen so. Wenn die Geräte gar sichtbare Fehler haben b.z.w. kein Bild kommt, wird es stets in ausgeschaltetem Zustand gezeigt. Aber auch sichtbar eingeschaltet und ohne Bild mit dem Kommentar "kenne mich nicht aus", "aus Nachlass vom befreundeten Amateurfunker etc."
Manche VK kennen sich aber wirklich nicht aus und bekommen bei ihren zu verkaufenden Gerät wirklich kein Bild hin obwohl es geht. Das sieht man dann schon in der Nahaufnahme, daß die Schalterstellungen völlig falsch stehen. Dann hat man Glück.

Gruss
Debo

chronos42
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Re: Tek TDS 2014....will doch nicht sterben.....

Beitrag von chronos42 » 27 Sep 2020, 19:02

Jepp, ich kenne beides.
Geräte, die als defekt verkauft wurden, obwohl nur die Einstellungen völlig sinnlos waren. Aber auch das super erhaltene, hochwertigste und beste Gerät aller Zeiten, wo dann eine völlig versiffte, vergammelte und nach Zigarrettenqualm stinkende Kiste ankam, die man erst mal im Freien auf dem Balkon reinigen und dekontaminieren musste.
Oder von Küchentischbastlern ohne jede Ahnung völlig ruinierte Geräte, was man den Geräten von außen auf den Bildern nicht ansah. Das wurde natürlich vergessen zu erwähnen. Da habe ich schon krasse Dinge erlebt die ich gar nicht erst veröffentlicht habe, weil es mir niemand glauben würde.
Im allgemeinen habe ich aber beim Kauf gebrauchter Messtechnik überwiegend gute Erfahrungen gemacht, das ist in dem Bereich meiner Meinung nach viel besser als im übrigen eBay. Das gilt sowohl für private als auch kommerzielle Verkäufer, von Ausnahmen abgesehen. Und ich möchte es ebenso machen, ich verzichte dann lieber auf ein paar Euro. Mir ist es auch schon mehrfach passiert dass mich Käufer gefragt haben, ob ich die Person bin, von der sie auf Amplifier.cd Reparaturberichte gelesen haben, da mein Name dort eine gewisse Bekanntheit hat. (Mehr als ich wollte, auch ein Grund warum ich das nicht mehr mache) Ich würde mich nicht gut fühlen denen dann so ein Gerät zu verkaufen.

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