Telequipment D83 Y-Amp

Alles über Oszilloskope, all about scopes
Antworten
zipperlein
Beiträge: 19
Registriert: 09 Dez 2018, 21:28

Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von zipperlein »

Hallo,
in meinem Telequipment D83 Scope(50MHz 2-Kanal, ähnlich Tek 54XX) tritt folgender Effekt auf:
Wenn man einen 50MHz Sinus in der Bildschirmmitte auf z. B. 2div einstellt, und den Trace dann nach oben und unten verschiebt, ist der Sinus am oberen Rand plötzlich mehr als 4div, und am unteren Rand weniger als 1div.
Dieser Effekt tritt nur bei hohen Frequenzen, merkbar >10MHz auf.
Was für ein Fehler liegt hier im Y-Verstärker vor? Habe sofort mit "Referenz-Scopes" Tek 547 (50MHz) und Tek 7704 (150MHz) geprüft, hier tritt dieses Verhalten an der Bandbreitengrenze nicht auf.
Woher kommt die von unten nach oben entlang der Vertikalachse unterschiedliche Verstärkung? Ich hätte mal einen schwachen Transistor im symmetrischen Verstärkerteil vermutet, aber auf die schnelle nichts gefunden, und warum nur bei höchsten Frequenzen, und bei niedrigen Frequenzen scheint alles normal?
Stefan
Martin
Site Admin
Beiträge: 996
Registriert: 08 Dez 2018, 19:26

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Martin »

hallo Stefan,

als erstes vertauschst du bitte die beiden Ablenktransistoren Vertikal und probierst ob der Fehler dann oben ist.

lG Martin
zipperlein
Beiträge: 19
Registriert: 09 Dez 2018, 21:28

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von zipperlein »

Danke Martin,
dein Tip war goldrichtig.
Beim D83 sind die vertikalen Endtransistoren eingelötet. Ich habe diese also ausgelötet, um sie - wie von dir geraten - zu vertauschen, um zu sehen ob der Fehler mitwandert.
Nach dem auslöten habe ich sie aber erstmal genau - mit dem Kurven-Schreiber - geprüft. Und siehe da, 1 Transistor (der für die obere Y-Platte) zeigt keine vernünftige Kurve, hat offensichtlich keinerlei Steuerwirkung mehr. Der andere Transistor ist in Ordnung.
Das gemeine ist, dass ich beide Transistoren vorher schon in eingebautem Zustand mit dem DMM-Diodentester grob vorgeprüft hatte: auch der defekte Transistor zeigte in Durchlassrichtung bei beiden NP-Übergängen einwandfreie Werte von ca. 0,7V, und in Sperrichtng kann man ja in eingebautem Zustand keine definitiven Aussagen machen. Beim Nachmessen in ausgebautem Zustand zeigte sich jetzt ein zu kleiner Widerstand (kein Kurzschluss) in Sperrichtung sowohl zwischen BE alsauch zwischen CE.

Wie geht's jetzt weiter?
Die Transistoren sind vom Typ Tektronix 151-0310-01 bzw. E1530LL und werden ohne weiteres neu oder NOS nicht zu beschaffen sein. Ich habe aber einen Teileträger und werde zunächst aus diesem die Transistoren ausbauen und erst mal prüfen - sie müssen nämlich auch gepaart sein und somit als Paar ausgewechselt werden.
Sollte das nicht klappen, werde ich mir eine Anzahl BF259 besorgen und aus diesen ein Paar ausmessen und verwenden - ich habe irgendwo gelesen (EEVBlog?), dass beim Telequipment D83 BF259 als Ersatztypen für die vertikalen Endtransistoren benutzt werden können.
Sobald ich weitergekommen bin, werde ich weiter berichten.

Stefan
Martin
Site Admin
Beiträge: 996
Registriert: 08 Dez 2018, 19:26

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Martin »

Zum Suchrn von Tekpaaren musst du die Nr vom Paar nennen

151 ist ein Single
153 ist ein ausgemessenes Paar aus 2x 151..
Lg Martin
Benutzeravatar
Peter7000
Beiträge: 118
Registriert: 09 Dez 2018, 13:02
Wohnort: Nähe Wien, AT
Kontaktdaten:

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Peter7000 »

Der 151-0310-xx ist ein stinknormaler 2N2219A - 60V, 0.8A, 0.8W, hfe > 50 bei 10V/1 mA, ft > 250 MHz.

https://w140.com/tek_xref_free.pdf, Seite 192
liebe Grüße
Peter
zipperlein
Beiträge: 19
Registriert: 09 Dez 2018, 21:28

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von zipperlein »

Hallo,
für das Telequipment D83 habe ich einen Teileträger, und dieser hatte noch die origialen vertikalen Endtransistoren. Ich habe diese ausgebaut und auf meinem 575 geprüft, beide sind 100% in Ordnung und stimmen sehr gut in der Stromverstärkung überein. Ich habe sie dann in mein produktives D83 eingebaut, und dieses funktioniert wieder wie es soll.
Problem behoben.

@Martin
Ich weiss, dass bei Tektronix Transistorpaare mit 153 anfangen, aber das D83 Manual listet 2 x 151-0310-01, um beide ist im Manual eine geschweifte Klammer (ohne weitere Bemerkungen), auch deshalb gehe ich davon aus, das die Transistoren zu paaren sind.
Die Originaltransistoren waren übringens nur 151-0310-00, mit Datacode 7830, ebenso das Paar aus dem Teileträger, Datecode hier 7718.

@Peter
Danke für Deine Hinweise, dass von Dir genannte Dokument kannte ich zwar, bin aber nicht auf die Idee gekommen, es in diesem Fall zur Rate zu ziehen.
Die genannten Transistortypen wären ja leicht zu beschaffen gewesen, aber bei 2N2218/2N2219 hätte ich doch gezögert, wegen 3nur 0V max UCE. In der Schaltung liegt jeweils ein Kollektor an der y-Platte, und die hat ein mittleres Potential von 55V, d. h. der Pos-Steller ist dann mittig. Muss man nicht davaon ausgehen, dass z. B. bei Durchdrehen des Pos-Steller das Plattenpotential von 0 bis ca. 110V varriert wird? Das ist nur eine grobe Annahme von mir, ich hab's nicht nachgemessen, aber ich würde doch evtl. Hochvolt-Transistoren in Erwägung ziehen ...

Stefan
Benutzeravatar
Peter7000
Beiträge: 118
Registriert: 09 Dez 2018, 13:02
Wohnort: Nähe Wien, AT
Kontaktdaten:

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Peter7000 »

Laut Schaltplan liegt der Kollektor der V-Endstufe im Mittel auf +57V, die Basis auf +29V, der Emitter also auf ca. 28V. 28+75=103V. So hoch wird die Spannung aber gar nicht - man kann kurz überschlagen, dass der Kollektor minimal auf ca. 29V gehen wird, also -28V Hub, daher im Gegentakt +28V Hub = 57V+28V = 85V = 56V C-E. Das wäre noch knapp zuviel für den 2N2219A mit Vceo max = 50V.

Die Röhre ist mit "28.0-32.8 V/total scan (3.5-4.1 V/div)" spezifiziert. Nehmen wir großzügig 34V = ±17V Hub an, dann muss sich der Kollektor überhaupt nur von 40-74V bewegen, also ca. 12-46V bezogen auf Emitterpotential, also innerhalb der 50V.

Warum aber die 57V in Ruhe? Damit V- und H-Platten dasselbe Ruhepotential haben.
Die H-Ablenkung braucht laut Röhrendaten mehr Ablenkspannung – 85-105V gesamt (8.5-10.5 V/div).
Die H-Endstufe liegt zwischen 0 und +105, als Ruhearbeitspunkt wurde dort +57V gewählt - woraus ich im übrigen schließe, dass für das D83 T7400-Röhren mit höherer Ablenkempfindlichkeit selektiert wurden.

Hoffe das macht Sinn ...?
liebe Grüße
Peter
zipperlein
Beiträge: 19
Registriert: 09 Dez 2018, 21:28

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von zipperlein »

Hallo Peter,
danke für Deine ausführliche und fundierte Analyse - macht auf jeden Fall Sinn.
In meinem letzten Posting wollte ich ja darauf hinaus, dass die Im Tek-Dokument genannten Ersatztypen spannungsmässig zu knapp sind, und das hast Du für den 2N2219A gezeigt.
Bei meinen beiden D83 Chassis sind 151-0310-00 verbaut, und für diesen werden - wenn ich richtig gesehen habe - im Tek-Dokument 2N2218 genannt, nur 30V UCEO. Meiner Meinung nach besteht irgendwo eine Ungereimtheit zwischen Tek-Dokument und Telequipment, ich ziehe jedenfall die Schlussfolgerung: man solte weder 2N2219A, 2N2219 oder 2N2218 als vertikale Endtransistoren im D83 nehmen.

Ich habe mein D83 mit gebrauchten, aber originalen Transistoren wieder instandgesetzt, und hatte sogar letzte Woche ein konkrete Messaufgabe mit dem Teil. Schön damit zu arbeiten, besonders wegen der grossen CRT. Scheint eine gute Alternative für Tek 54XX-Geräte zu sein, kommt aber (von der Verarbeitung, Konstruktion etc.) nicht an die 7000er heran.

Stefan
Benutzeravatar
Peter7000
Beiträge: 118
Registriert: 09 Dez 2018, 13:02
Wohnort: Nähe Wien, AT
Kontaktdaten:

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Peter7000 »

Nein, der 2N2219A reicht eben schon, weil auch bei der unempfindlichsten Röhre max. 46V C-E auftreten.
Mich würde der praktisch auftretende Spannungshub interessieren- hast du den gemessen?
Und bei wieviel Volt krümmen sich beim nicht kaputten Originalteil die U c-e/ I c Kurven hinauf?
liebe Grüße
Peter
Martin
Site Admin
Beiträge: 996
Registriert: 08 Dez 2018, 19:26

Re: Telequipment D83 Y-Amp

Beitrag von Martin »

Kann freilich auch sein dass Tek die auf uce geprüft und sortiert hat
Antworten