Grundig Tongenerator TG4

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Stoerpeak
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Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stoerpeak » 19 Jun 2020, 10:51

Ich habe einen Grundig Tongenerator TG4 Typ53 bekommen,
der sich aber deutlich davon unterscheidet was man im Netz unter Grundig TG4 findet.

Grundig TG4.jpg
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Typenschild.jpg
Typenschild.jpg (73.84 KiB) 430 mal betrachtet

Laut Unterlagen zum TG4 besitzt dieser eine Wienbrücke die per Drehkondensator zwischen 30Hz und 20kHz abgestimmt wird.
Im vorhandenen Modell befindet sich aber eine verstellbare Spule für die Frequenzverstellung von 20Hz bis 20kHz.
Dieser arbeitet wohl wie ein Schwebungssummer mit zwei HF-Oszillatoren.

Innen.jpg
Innen.jpg (354.8 KiB) 430 mal betrachtet
Oszillator.jpg
Oszillator.jpg (263.86 KiB) 430 mal betrachtet

Die Einstellskala weicht stark von den "üblichen" Geräten ab. Direkt über der Skala gibt es einen zusätzlichen Drehknopf, mit dem sich über ein Abstimmkondensator ein"50Hz Abgleich" mit Hilfe einer Glimmlampe unter der Skala durchführen lässt.

Skala.jpg
Skala.jpg (117.7 KiB) 430 mal betrachtet

Das Gerät liefert einen mit Netzbrumm überlagerten Sinus der allerdings nicht mehr so ganz mit dem Einstellbereich übereinstimmt. Die obere Grenze liegt noch einigermaßen bei 20kHz. Dreht man den Knopf nach links, so wird bereits bei der Stellung 1,4kHz eine "Ausgangsfrequenz" von 0Hz erreicht wo beide HF Generatoren übereinstimmen. Dreht man weiter nach links, so nimmt die Ausgangsfrequenz wieder zu.

Daraus schließe ich, dass mindestens die Spannungsversorgung nicht mehr ganz stabil ist
und dass sich der verstellbare Oszillator viel zu weit abstimmen lässt.

Die wesentliche Frage ist aber:

Warum ist das Gerät deutlich anders aufgebaut als die üblichen Grundig TG4 ?

Gruß Stoerpeak

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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stoerpeak » 20 Jun 2020, 21:30

Inzwischen habe ich mal den Generatorteil ausgebaut und separat getestet. Der feste Oszillator läuft auf 100,7kHz und der Variable lässt sich von knapp über 80kHz bis ca. 104kHz abstimmen also etwas zu weit. Dieser dürfte maximal bis zur Frequenz des Festfrequenzoszillators abstimmbar sein. Leider finde ich keine Unterlagen zu den Innereien dieses Gerätes.
Da bleibt wohl nur die Analyse der Platine:

Generatorplatine hinten.jpg
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Generatorplatine vorne.jpg
Generatorplatine vorne.jpg (70.35 KiB) 403 mal betrachtet

Oben links ist der Festfrequenz Oszillator, oben rechts der variable Oszillator und unten der Mischer.
Da sich die Anzahl der Bauteile in Grenzen hält sollte sich daraus die Schaltung rekonstruieren lassen.

Gruß Stoerpeak

Stefan564B
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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stefan564B » 21 Jun 2020, 13:38

Hi,

das sind tolle Klötzchen-Widerstände drauf, die sind vermutlich nicht mehr Wertehaltig.
Ich hatte schon mehrere Geräte ( Radios etc ) mit diesen Widerständen und habe mich dann zur R-Kur mit
Metallfilm-Widerständen durchgerungen, danach funktionierte wieder alles.

Gruß Stefan

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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stoerpeak » 21 Jun 2020, 19:37

Beim LC-Oszillator hätte ich eher erwartet, dass die abstimmbare Spule über die Jahre konstant bleibt und vielleicht einer der beteiligten Kondensatoren durch Kapazitätsverlust für die zu hohe Frequenz verantwortlich ist. Die Kondensatoren im variablen Oszillator habe ich überprüft, diese sind alle in Ordnung. Dann habe ich mal zwei der "Klötzchen-Widerstände" nachgemessen und da messe ich 13k statt 12k und 89,5k statt 82k. Diese weichen also deutlich vom Sollwert ab.

Abstimmspule.jpg
Abstimmspule.jpg (186.58 KiB) 372 mal betrachtet

Gruß Stoerpeak

Henrik_V
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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Henrik_V » 22 Jun 2020, 00:27

Wie Stefan schon schrieb: Die Vitrohm Klotz-Widerlinge alle ersetzen.
Gruß Henrik

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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stoerpeak » 22 Jun 2020, 23:13

Den Tipp hab ich mal angefangen umzusetzen und im variablen Oszillator die "Klötzchen" ersetzt. Das hat schon eine spürbare Verbesserung gebracht. Einer davon hat noch genau gestimmt. Die Restlichen sind mehr oder weniger stark vom Sollwert abgewichen.

Widerstände.jpg
Widerstände.jpg (159.57 KiB) 336 mal betrachtet

Jetzt lässt er sich wenn die Untergrenze auf 80kHz eingestellt ist nach oben nur noch bis knapp 102kHz abstimmen.
Es fehlt aber auch noch der zusätzliche Drehkondensator für die 50Hz Eichung und die Drehknopfmechanik.
Bevor ich das aber zusammensetze werde ich beim Fixfrequenzgenerator ebenfalls alle Kondensatoren prüfen und die Widerstände tauschen.
Gruß Stoerpeak

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Re: Grundig Tongenerator TG4

Beitrag von Stoerpeak » 29 Jul 2020, 22:20

Inzwischen habe ich den TG4 weiter untersucht. Nachdem der Generatorteil funktioniert hat war das Netzteil dran da der Sinus mit starkem Netzbrummen überlagert war.
Die 24V ließ sich nicht einstellen. Es waren nur etwa 19V mit 0,5Vss Netzbrumm.
Der Grund dafür, ein defekter Transistor im Längsregler war noch leicht zu finden und zu beheben. Danach war die Spannung wieder Ok.
Aber es war am Eingang des Endverstärkers eine viel zu niedrige Sinusamplitude.
Dadurch hat auch der Schmitt-Trigger der das Rechtecksignal generieren soll nicht funktioniert. Bei einem serienmäßigen Gerät wird über die Kaltleiter Glühlampe eine konstante Amplitude erzeugt.
Bei dem mir vorliegenden Gerät existiert aber der rot unterlegte Schaltungsteil nicht. Stattdessen gibt es eine separate Oszillatorplatine, die über eine Z-Stabilisierung versorgt wird und einen Sinus mit konstanter Amplitude erzeugt.
Also ist die Lampe und die rote Rückkopplungsleitung nicht nötig.

Schaltplan TG4.jpg
Schaltplan TG4.jpg (831.98 KiB) 117 mal betrachtet

Nachdem ich die Lampe durch einen geeigneten Widerstand (820R) ersetzt habe passt die Sinusamplitude wieder mit den Angaben im Schaltplan überein. Der Schmitt Trigger läuft dadurch auch wie er soll.
Weiterhin gibt es im vorliegenden Gerät noch eine Transistorschaltung die die 50Hz am Gleichrichter abgreift und damit die Anzeigelampe für den 50Hz Abgleich in der Skala steuert. Warum dieses Gerät derart umgebaut wurde ist mir nicht klar. Ich habe auch keine Abbildungen gefunden, die die Innereien eines TG4 zeigen. Ist aber auch egal, da er ja jetzt funktioniert.
Jetzt muss ich noch die beiden Verstärkerstufen des Endverstärkers prüfen.
Falls da alles stimmt fehlt nur noch die gründliche Reinigung und ein neues Netzkabel.
Gruß Stoerpeak

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