erste Erfahrung mit CAD-Programm

Werzeuge, Maschinen, mechanische und sonstige Bearbeitung, gern auch in Grundlagen
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wolfgang
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erste Erfahrung mit CAD-Programm

Beitrag von wolfgang »

Hallo zusammen,

nach langer Zeit einmal wieder ein Beitrag von mir. Martin, Falls das Thema allgemein bekannt oder uninteressant ist kannst Du es bitte löschen.

Ich wollte eine Platinenhalterung herstellen, die es nicht "von der Stange" gab, etwa so:
IMGP0004.JPG
IMGP0004.JPG (271.88 KiB) 1205 mal betrachtet
Für micht war klar, daß es endweder aus Blech, gekantet oder aus Alu aus dem Vollen gefräst wird. Mein Nachbar bot mir aber an, das Ding zu drucken.

Den Entwurf mußte ich aber selbst machen, daß konnte oder wollte er nicht. Dafür muß man ein 3D-CAD Programm nutzen....

Ich entschied mich für FreeCAD, weil es sowohl auf Win wie auf Linux läuft und, wie der Name sagt, frei ist. Man soll sich aber nicht täuschen lassen, easy (siehe EasyCAD) ist zunächst gar nichts.

Ich habe das Youtube Tutorial von Flowwies corner und ein Script durchgearbeitet, dann ging es.

Ganz wichtig für alte Säcke wie mich :oops: , die technisches Zeichnen noch mit Tusche und Schablonen auf Transpatent gelernt haben :geek: :

Es ist eben kein technisches Zeichenprogramm, es ist ein CAD-Programm zum Teile- und Geräteentwurf. Zeichnungen fallen, fast, von selbst ab. Man muss sich umgewöhnen, ein Werkstück wird nicht "bemaßt", sondern "eingeschränkt". Zunächst verwirrend, dann aber Völlig klar, wenn man den mathematischen Ursprung der Programme berücksichtigt. Eine unendliche Gerade wird auf das gewünschte Mass beschränkt.

Soweit ich bisher beurteilen kann, kann man Werkstücke völlig frei ablativ und konstruktiv entwerfen, heisst: ich kann von einem Materialblock mit Maximalabmessungen ausgehend, alles Überschüssige durch Sacklöcher oder ähnliches entfernen (fräsen, bohren, drehen, hobeln, feilen : ablativ), oder ich beginne mit einer Ebene, z.B. einem Blech, und konstruiere alle Winkelungen , Erhabenheiten als neue "Ebenen" daran und erhalte das endgültige Werkstück (konstruktiv). Das System kann anscheinend beides, es ist Geschmacksache.

Zur Nutzung muß man den vollen Systemumfang, zumindest zum Teil, lernen und wesentliche Teile beherrschen, heisst: üben, üben, üben..
Nach ungefähr 4 Wochen konnte ich meine Platinenhalterung entwerfen und mein Nachbar druckte sie aus.
IMGP0001.JPG
IMGP0001.JPG (80.49 KiB) 1205 mal betrachtet
IMGP0002.JPG
IMGP0002.JPG (102.74 KiB) 1205 mal betrachtet
IMGP0003.JPG
IMGP0003.JPG (114.93 KiB) 1205 mal betrachtet
Gerade bei Nutzung von 3D Druckern ist die Kenntnis eines CAD-Programmes unerlässlich.
vy73

Wolfgang
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ProgBernie
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Re: erste Erfahrung mit CAD-Programm

Beitrag von ProgBernie »

Hallo Wolfgang,

FreeCad benutze ich auch, allerdings relativ selten. $SOHN nutzt irgendein professionelles Programm (kostenlos im Rahmen der Ausbildung) und schimpft darüber, weil es ständig abstürzt. Verbraucht Unmengen Speicher und läuft wohl nur vernünftig auf der vom Hersteller empfohlenen Konfiguration (OK, wenn man tausende pro Jahr und Lizenzplatz für die Software ausgibt, fallen 4k€ für den Rechner nicht ins Gewicht).
Wenn man die Philosophie erstmal verstanden hat, fällt die Arbeit leichter. Am Anfang kommt man nicht damit zurecht, daß man sich je nach Operation in eine andere Workbench begeben muß. Und wann man wo ein Sketch anlegt und darauf aufbaut.

Von den Grundzügen sind fast alle derartigen 3D-CAD-Programme ähnlich, auch wenn die Bedienung sich etwas unterscheidet. Die konstruierten Körper sind üblicherweise parametrisch, d.h. alle Operationen mit ihren Maßen etc. bleiben erhalten, man kann also später ändern. Beispiel ein Kubus mit einer Fase an einer Kante: Es wird nicht das Resultat gespeichert, sondern der Grundkörper mit seinen Abmessungen und der Lage im Raum, die Fase mit ihren Parametern und die Operation, d.h. auf welche Kante es sich bezieht.

Als Softwareentwickler benutze ich größtenteils OpenSCAD für einfache Körper im 3D-Druck, in dem man auf gleichem Wege die Bauteile "programmiert". Es hat nicht ganz so schöne Funktionen wie ein echtes Cad, z.B. fehlen Funktionen wie Fase und Abrundung, die man aber auf anderem Wege erzielen kann. Für viele einfache 3D-Druck-Sachen reicht es mir und die Möglichkeit den Customizer mit Variablen zu benutzen hilft oft Teile wiederzuverwenden.

Beispiel: https://www.thingiverse.com/thing:5142216 oder https://www.thingiverse.com/thing:5141182, da sind die OpenSCAD-Dateien dabei.
Gruß Bernd
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dh7dn
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Re: erste Erfahrung mit CAD-Programm

Beitrag von dh7dn »

Hallo Wolfgang,

die Platinenhalterung ist echt super geworden! Gut gemacht, da hat sich die reingesteckte Arbeit mit FreeCAD gelohnt :mrgreen:

Das Thema 3D CAD/CAE hat mich vor einer Weile ebenfalls gepackt. Ich muss auf der Arbeit oft mit meinem Mechaniker reden und ihm meine Wünsche skizzieren. Da ich nicht seine Sprache spreche kommt es oft zu Missverständnissen. Er baut mir ein Teil - aber das ist am Ende ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte... Er freut sich dann ganz besonders, wenn er nachbessern darf :mrgreen:

Ich habe in einem Discord-Kanal bei relativ erfahrenen Hobbyisten (3D-Druck, Elektronik, Maschinenbau) nachgefragt, welches 3D-Konstruktionsprogramm empfohlen wird und da gab es keine eindeutige Antwort, außer dass mir explizit von FreeCAD abgeraten wurde. Das Programm ist zwar kostenlos erhältlich und Open-Source, allerdings scheint es einige Nachteile zu haben, die erst dann sichtbar werden, sobald man tiefer in der Materie drin ist (offenbar ist die Lernkurve sehr steil und der Umgang mit dem Programm ist nicht sehr einfach zu lernen).

Welche Nachteile das sind, kann ich leider nicht sagen - offenbar haben die Leute, die mit 3D-Druck zu tun haben, ganz klare Vorstellungen davon, wie die ganzen 3D-Druck-Workflows aussehen müssen (d. h. Konstruktion von Bauteilen und Baugruppen, Export der Daten für einen 3D-Drucker, Nutzung von Austauschformaten wie STEP-Files, Simulationen usw.). Das scheint mit FreeCAD sehr mühsam zu sein.

Letztlich wurde mir Solid Edge Community Edition von Siemens empfohlen. Es scheint für Maker und Hobbyisten kostenlos zu sein (mit den üblichen Einschränkungen, also nichtkommerzielle Verwendung + Wasserzeichen) und kommt an die Profiprogramme wie Autodesk Inventor oder Dessault Systemes SolidWorks ziemlich gut heran. Für die Hobbyisten mit viel Geld gibt es noch das Autodesk Fusion360 (eine Hassliebe in der 3D-Druck Community). Inventor und SolidWorks sind eigentlich die Industriestandards in Sachen 3D-Konstruktion aber für mich unbezahlbar. Da bin ich ein bisschen auf die Uni-Studenten neidisch, die die Profi-Software quasi hinterhergeschmissen bekommen, damit sie möglichst frühzeitig angefixt werden :mrgreen:

3D-Konstruktion habe ich schon länger auf dem Schirm. Ich werde es über die Feiertage mit Solid Edge Community Edition probieren (die Version gibt es leider nur für Windows-Maschinen).
vy 73 de Denis (DH7DN)
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wolfgang
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Re: erste Erfahrung mit CAD-Programm

Beitrag von wolfgang »

Danke,
Florian Stolz (Flowwie) beitreibt den Youtubekanal mit guten Schulungsvideos und ist wohl professioneller CAD-Anwender. Er beschreibt die verschiedenen Programme als "rechr ähnlich". Aber unabhängig, nachdem man die Philosophie begriffen hat muß man eine Menge Wissen anhäufen, dann läuft's fast automatisch. Obwohl einen die Plausibilitätskontrolle manchmal zum Wahnsinn treibt.
Es ist eher wie (ein Flugzeiug) fliegen als wie radfahren: Man lernt eine Menge theoretisches Zeugs und die Bedienung des Gerätes, später läuft's fast automatisch und man fokussiert sich auf das wesentliche.

Ob FreeCAD oder etwas Anderes ist wohl wie die Frage Windows oder Linux....... Jedes System hat einige kleine Vor-und Nachteile. Ich habe nur ein System gesucht, das Frei ist und wo ich einige Tutorials fand.

schönen Sonntag
vy73

Wolfgang
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