Lagerführung bei Rainer Förtig

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michalzi
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Lagerführung bei Rainer Förtig

Beitrag von michalzi »

Hallo zusammen,

wie versprochen, hier mein kurzer Bericht von meiner Lagertour bei Rainer Förtig, bzw. Copyshop Zwingenberg bzw. Fabian Filbert. :o
Zuerst eine Aufklärung:

1. Ich bekomme für diesen Bericht weder irgendwelches Geld noch sonstige Vergünstigungen. Ich schreibe das hier, weil scheinbar vorher noch niemand von Euch vorher da war, bzw. davon berichtet hat.
2. Der Name "Rainer Förtig" stammt vom urspünglichen Besitzer. Der ist inzwischen aber leider verstorben.
3. Der "Copyshop Zwingenberg" ist das Geschäft, vor dem man steht, wenn man zu "Rainer Förtig" fährt:
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4. Begrüßen tut einen dort jedoch Hr. Fabian Filbert- das ist quasi der Nachfolger von Rainer Förtig, der heute den Copyshop- und das Schaltplanarchiv sowie den Messgeräte"laden" (das soll nicht abwertend klingen) betreibt.

Ich denke, das muss man wissen, denn es ist erstmal nicht selbsterklärend.

Ich war also am 02.Oktober 2023 dort und Fabian hat sich dort bestimmt fast zwei Stunden für mich Zeit genommen und mich herumgeführt. Zuerst begann die Führung im Messgerätelager. Hier stehen wirklich hunderte (tausende?) von Messgeräten, fast alle sauber in Schwerlastregalen einsortiert.
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Hier nicht "schwach" zu werden, ist wirklich schwer. Auch die Freunde vom Wellenkino würden hier wohl auf die Kosten kommen, denn auch schöne alte Analogtechnik ist dort massenweise vorhanden. Laut Fabian sei nur ein kleiner Teil auf seiner Webseite eingestellt, in Realität hat er mehrfach so viel, wie dort zu sehen. Will sagen: anrufen und nachfragen lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man sein Wunschgerät nicht gleich auf der Webseite findet.

Doch was mich mindestens ebenso beeindruckt hat, ist das Schaltplanarchiv:
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Laut Aussage von Fabian selbst sei es das größte Europas und das glaube ich sofort. Es gibt dort nicht nur die "üblichen" Schwerlastgeragle voller Unterlagen,
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sondern auch fahrbare Archivschränke auf Rollen, die man mit Kurbelgriffen auf einer Zahnstange durch den Raum schieben kann und so in den sich auftuenden Raum treten und die Manuals seitlich herausziehen kann.
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Ich hatte sowas vorher noch nie gesehen, aber in etwa so stelle ich mir ein Staatsarchiv vor. Bei Fabian gibt es Dutzende dieser fahrbaren Schränke- und alles voll mit Unterlagen. Er hat nicht nur regelmäßig die Unterlagen von Firmeninsolvenzen aufgekauft und dort eingelagert, sondern ebenfalls das komplette Unterlagenarchiv von ehemals Helmut Singer. Ich kenne in dieser Fülle und Größe nichts Vergleichbares!

Und jetzt versteht man auch, warum "Messgeräte" so gut zu einem "Schaltplanarchiv" und das wiederum zu einem "Copyshop" passt: als ich mein NAUS-Manual haben wollte, er aber kein Original hatte, das er mir geben konnte, hat er mir einfach eins gedruckt. Allerdings nicht auf solchen Druckern, wie wir sie wohl alle zu Hause haben, sondern die Dinger können Schaltpläne in mehreren Metern Länge stoßfrei herausrotzen, machen automatisch Spiral-Lochung und falten die Dinger auch noch normgerecht. Laut Fabian war dazu sogar die Zusammenarbeit mit Adobe und Canon selbst notwendig, damit die unterschiedlichen Formate (DIN-A4, A3, lange Schaltbilder) immer in der korrekten Orientierung gedruckt und geheftet werden können. Vorher gab es so ein System gar nicht!

Mein Fazit: Leute, bitte unterstützt solche Läden wie Rainer Förtig, denn ich kenne keine andere Quelle, die so viele Schaltunterlagen vorrätig hat. Und wie wichtig die manchmal sind, wisst ihr selber. Allein das Einscannen und Aufbereiten der Unterlagen ist eine Lebensaufgabe- dass Fabian Filbert dafür am Ende Geld nehmen muss, dürfte klar sein. Und mal ganz ehrlich: wer das einmal gesehen hat, was an Arbeit der Archivaufbau, Scannen, Aufbereiten und Druck eines Manuals in der Vorarbeit alles bedeutet, ist meiner Meinung nach mit nur 16Euro für ein perfekt gedrucktes NAUS-Manual doch mehr als gut bedient!

Wie gesagt- ich bekomme hierfür nichts, möchte aber trotzdem anregen, solche Läden grundsätzlich zu unterstützen, damit sie uns Bastlern auch für die Zukunft erhalten bleiben! Denn tun wir das nicht, werden diese Läden nicht überleben und unsere Reparaturen irgendwann in der Zukunft ohne Manual versucht werden müssen- und oft genug deswegen missglücken! Keine Arme- keine Kekse.

Vielen Dank noch einmal an den Copyshop Zwingenberg und Fabian Filbert für die tolle Führung!

Marc Michalzik

Achja- und wer genau hinsieht, findet auch noch so manches bunte Schätzchen in der Ecke :-)
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dh7dn
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Re: Lagerführung bei Rainer Förtig

Beitrag von dh7dn »

Hallo Marc,

vielen lieben Dank für deinen Bericht und die tollen Bilder (Bilder-Uploads haben gut geklappt)! Ich bin wirklich baff, wie gut organisiert das ist. Bei unsachgerechter Lagerung würden die Manuals vor sich hin verrotten und wären irgendwann unbrauchbar. Gerade die Luftfeuchtigkeit muss in Schach gehalten werden, sonst kann man die Manuals nach 30-50 Jahren in die Altpapiertonne kicken :mrgreen:

In der Tat ist das Scannen von Manuals nicht trivial und erfordert Technik, viel Geduld und Erfahrung. Ich würde schätzen, dass man pro Tag (vielleicht) 2-3 Manuals a 300 Seiten einscannen und für die Veröffentlichung nachbearbeiten kann. Da kann Peter7000 (TekWiki) bestimmt was dazu erzählen ;-)

Die Preise auf der Webseite von rainer-foertig.de sind (leider) etwa 20-100% über dem "üblichen" Marktpreis, aber man kann sich denken, dass das Geld auch für die Aufrechterhaltung des Copyshop-Betriebs benötigt wird.
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Re: Lagerführung bei Rainer Förtig

Beitrag von chronos42 »

Na ja, sie sind über dem eBay Preis. Aber man muss bedenken dass Herr Filbert gewerblich und mit Gewährleistung verkauft, da kommen nun mal Zusatzkosten dazu. Dann noch Buchhaltung, Steuer, Ladenmiete etc. Das zahlt man halt zwangsläufig mit.

Dass die Firma ein beachtliches Archiv hat war ja zu erahnen, dass es aber so groß ist hätte ich nicht gedacht. Ich habe dort schon mehrfach Manuals gekauft für Rohde & Schwarz und für Wandel % Goltermann Geräte. In einem Fall war es tatsächlich ein original Handbuch was geliefert wurde, in den anderen Fällen sehr gute Kopien. Nicht billig, aber ihr Geld wert. Die Manuals für den W & G Audio Analyzer NFA1 waren drei dicke A4 Ordner, doppelseitig bedrucktes Papier und mit großen,ausklappbaren Schaltplänen, welche fast nicht auf den Arbeitstisch passen. Ohne diese Serviceunterlagen wäre dieses wunderbare Gerät heute nur noch E-Schrott, keine Chance auf eine Reparatur ohne das komplette Manual. Somit kann ich mich Marc nur anschließen, unterstützt solche Firmen, ansonsten sind solche Quellen irgendwann nicht mehr vorhanden.

BTW (auch wenn es nicht 100% in diesen Thread passt): Im Zusammenhang mit Lieferanten von Manuals noch die traurige Mitteilung, dass der Inhaber von "Artek Manuals" vor einigen Wochen verstorben ist. Wie lange seine Witwe die Firma noch weiterführt ist nicht bekannt. (Info aus dem EEVblog Forum). Förtig/Filbert und Artek Manuals in den USA waren für mich fast immer die Quellen meiner gekauften Manuals.

Gruß
Karlheinz
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